Ich war ein Kind

Ich war ein Kind und stellte mir vor, dass 
unsere Kleider von glänzenden Robotern genäht werden. 

Ich stellte mir vor, dass Roboter den Stoff 
zischend an sich ziehen und ausstanzen. 

Ich stellte mir immer vor, dass futuristische Roboterarme 
Ärmel und Kapuzen an Jacken bauen.

Ich stellte mir vor, dass die Roboter dann die fertigen Kleider
schnell und maschinell auf Fließbänder heben.

Ich stellte mir vor, wie zwei weitere Roboterarme 
die Kleider falten und in Kartone geben.

Nie stellte ich mir vor,
dass die Roboter Menschen sind. 

Nie stellte ich mir vor, dass keine krächzenden Roboterarme, 
kein zischendes Maschinenrattern, kein glänzendes Werkzeug hinter unseren Kleidern steckt.

Nie stellte ich mir vor, dass es Menschenhände sind, 
die Hemd und Hose, Pullover und Pyjama vernähen. 

Nie stellte ich mir vor, dass es Frauen und
Kinder sind, die sich in stickigen Fabriken abrackern.

Nie stellte ich mir vor, dass es Menschen sind, 
die am Fliessband stehen und mit starrem Blick Kleider falten.

Heute mache ich mir nichts mehr vor. 
Heute bin ich bin kein Kind mehr. 

Leider.